Sonya Leuenberger – Pippi Langstrumpf würde staunen!

„Das habe ich noch nie vorher versucht, also bin ich völlig sicher, dass ich es schaffe.“ Dieses berühmte Zitat stammt zwar von Pippi Langstrumpf, doch es könnte auch von Sonya Leuenberger sein. Beim Interview habe ich ihre Energie, die Positivität und das Vertrauen in die Stärke ihres Teams so stark gespürt, dass ich schon glaubte, «kleiner Onkel» im Hintergrund wiehern zu hören. Doch die Sache hat zwei Haken. Erstens wohnt die Familie im Dorf und nicht beim Stall und zweitens arbeiten sie mit Legehennen und nicht mit Pferden.

Und so ist auf dem Geflügel-Hof von Leuenbergers in Ziefen eben das Gackern zu hören. Schliesslich ist das ein Zeichen für glückliche und gesunde Hühner; sie tragen ein gesundes Federkleid, laufen rum, gackern, picken Futter und liefern schöne weisse und braune Eier. Ob weiss oder braun definiert übrigens die Farbe des Ohrläppchens des Huhns.

Doch beginnen wir von vorne. Sonya Leuenberger ist gelernte Pharma-Assistentin, Mami von zwei Jungs und hat 2015 mit ihrem Mann Yves den Hof mit rund 6000 Hühner übernommen. Mit viel Fleiss und Leidenschaft haben sie im Jahr 2020 das Gebäude abgerissen und einen neuen, 1260m2 grossen Stall gebaut. Heute halten sie rund 10000 Legehennen. Die Tage sind gefüllt mit Arbeiten auf dem Hof, Eier-Lieferungen, Kinderbetreuung und Tätigkeiten im Haushalt. Dazu hat sie noch Ämter und Ehrenämter die sie wahrnimmt. Wir schauen mal genauer hin.

Das Konzept Direktverkauf haben sie vom Vorgänger übernommen, weiter ausgebaut und so ein starkes Beziehungsnetz und Vertrauensverhältnis zum Kundenkreis aufgebaut. Der Direktverkauf ist ein echter «Chrampf», 50% gehen zwar direkt zu MIGROS, doch die anderen 50% werden einzeln verteilt. So sind die Liefertage fix geplant und «ihre Frauen» arbeiten als eingespieltes Team…da gibt es kleine Lieferungen von ca. 100 Eier pro Woche und die grösseren von bis zu 3500 Eier pro Woche. Unter ihren Kunden sind zum Beispiel Restaurants, Läden und diverse Bäckereien. Da der Lieferradius bis auf Basel reicht, muss alles ineinander spielen. Wenn mal eine extra Lieferung dazu kommt, wirbelt Sonya alles auf, um die Kunden dennoch bedienen zu können. So haben sie sich über die Jahre als starke Partner etabliert und freuen sich über die entgegengebrachte Wertschätzung für ihre Arbeit.

Wer denkt, Hühner brauchen doch nur eine Pick-Wiese und sie seien damit glücklich, der irrt gewaltig. Da steckt ein System und ganz viel Arbeit dahinter. Wusstet ihr, dass es einen Wintergarten, den Schlechtwetterauslauf (mit Kies), die Ruhezone, die Weide, die Legeplätze und verschiedene Futterzonen braucht für ein glückliches Huhn? Der Tagesablauf von einem solch glücklichen Huhn sieht übrigens so aus: Eier legen, fressen und trinken – das füllt dann auch schon den Vormittag. Der Nachmittag dient der Regeneration und den sozialen Auseinandersetzungen.

Da sieht der Tagesablauf von Sonya anders aus. Wenn sie am frühen Morgen aufsteht, startet sie in ihrer Mutterrolle und macht für die Jungs Frühstück und bereitet sie für die Schule vor. Aber davor hat sie eben schon Büroarbeiten erledigt, einiges im Haushalt gemacht und das Mittagessen vorbereitet. Ihr Tag beginnt um 5 Uhr und da sie im Dorf wohnen, sind die ersten Arbeiten nicht auf dem Hof. Doch um 8 Uhr nimmt sie dann die Eier aus, sortiert alles, packt ein und liefert aus oder sorgt für Ordnung im Stall.

Auch sie liebt ihren Backofen mit Timer, denn so arbeitet sie bis kurz vor dem Mittag, wenn die Kinder von der Schule kommen und hat dann bereits das Essen aus dem Ofen auf dem Tisch. Am Nachmittag – ausser montags da macht sie ihre Lieferrunde – erledigt sie Büroarbeiten (Sonya macht die Geschäftsbuchhaltung selbst), bereitet den nächsten Tag vor, kümmert sich um den Haushalt oder ist mit den Jungs on tour.
Um 16 Uhr geht sie wieder in den Stall, versorgt die Alpakas und holt die frisch gelegten Eier. Danach macht sie das Abendessen und geniesst die family time. Wobei, Moment, da waren doch noch einige andere Verpflichtungen die sie mir so nebenbei erwähnte…so ist sie in der «Musig» im Vorstand und spielt auch die Trompete. In ihrer Gemeinde Ziefen ist Sonya in der Rechnungs- und Geschäftsprüfungskommission, das gibt dann auch ab und an eine Sitzung. Doch nur «sitzen» ist ihr zu langweilig, deshalb ist sie auch beim JSV Niederdorf und schätzt den sportlichen Ausgleich mit Zumba, Step oder Aerobic.

Ihr Mann ist auch engagiert und waltet als Präsident der Nordwestschweizer Eierproduzenten sein Amt. Zudem vermietet er einen mobilen Güllenseparator und ist auch da teilweise bis spät abends eingebunden.

Das bedingt eine organisatorische und logistische Höchstleistung von Sonya, die alle Fäden in der Hand hat. Glücklicherweise haben sie viele Freunde und Helfer, die sie spontan einsetzen können. Die eine Hand wäscht die andere, das würde Pippi Langstrumpf und ihren Freunden sicher auch gefallen. Doch das ändert nichts daran, dass die Hühner weiter Eier legen und die anstehenden Arbeiten erledigt werden müssen. So sind die Tage getaktet und verplant. Einzig das Putzen überlässt sie jemand anderem…ein Wunsch, den sie sich erfüllte, denn um 23 Uhr noch die Wohnung zu saugen geht nicht aber es ist ihr wichtig, dass für ihre Familie alles aufgeräumt und sauber ist.

Auch die Zeit als Ehepaar wird wertvoll genutzt. So schätzt sie es sehr, dass sie mit Ihrem Mann auf dem Hof zusammenarbeiten kann. Aber genau so gerne gehen die beiden mal ins Casino oder geniessen einen schönen Abend auswärts. Ohne Huhn, Alpaka und Kind.

Wenn die Tage dann wieder einmal zu wenig Stunden haben, erinnert sie sich gerne an die Worte ihres Mannes, der einmal sagte: »Weisst Du, jedes von uns käme wohl auch alleine klar, doch Du würdest sicher länger durchhalten weil ich vorher den Überblick verlieren würde».

Genau das sind eben die Stärken von Sonya: Planen, Organisieren und dabei mit anpacken, flexibel bleiben und ihre verschiedenen Rollen optimal nutzen.

Und es soll doch auch vorkommen, dass sie Zeit findet. Zeit nur für sich. Dann geniesst sie das «Mädchen-Sein» und lässt sich die Nägel machen, gönnt sich eine Fusspflege, eine Gesichtsbehandlung oder eine Massage. Auch mit ihren Freundinnen im Ausgang kann es mal später werden und mit der «Musig» geht sie meistens mit in die Beiz. Das nimmt sie in Kauf, auch wenn am nächsten Morgen der Wecker wieder um 5 Uhr klingelt, denn diese sozialen Kontakte sind ihr sehr wichtig.

Vielleicht sind es genau diese Energiemomente, die Sonya solche Power für den Alltag geben. Und ich bin überzeugt, dass sie so auch alle kommenden Herausforderungen meistern wird. Frei nach Pippi: „Der Sturm wird stärker. Ich auch.“

Verkaufsstellen und Unternehmen, in denen die «le-Eier» angeboten oder weiterverarbeitet werden: https://www.le-ei.ch

Text: D. Steiner www.oxygono.ch

20.05.2022

Jeannette Niklaus – engagierte Powerfrau aus Anwil

Ich lade Euch ein, eine energiegeladene und starke Frau kennen zu lernen, die zwar fordert (meistens von sich selbst) aber auch sehr viel der Gemeinschaft zurückgibt. Jeannette ist im Kreisvorstand des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel und seit sieben Jahren im Vorstand von frauenplus Baselland. Sie ist eine innovative Geschäftsfrau, hat vier Kinder (heute 24- & 26-jährige Söhne und 22-jährige Zwillingstöchter) und arbeitet als passionierte Bauernfrau. Das beinhaltet zwar auch die «Frau des Bauern» zu sein, doch bei Jeannette Niklaus gehört noch viel mehr dazu.

Der Bio-Betrieb von Jeannette und Daniel Niklaus befindet sich im östlichsten Dorf des Oberbaselbiets im schönen Ammel (Anwil). Ich weiss, 80% singen gerade in Gedanken das Baselbieter Lied: «Vo Schönebuech bis Ammel, vom Bölche bis zum Rhy».

Auf dem Obstbaubetrieb werden an die 100 Hochstammbäume (Apfel, Birnen, Kirschen, Mirabellen, Zwetschgen und weitere teils auch ältere Obstsorten) gepflegt und eine gedeckte Kirschenanlage mit rund 1000 Bäumen betrieben. Ein grosser Teil der Ernte wird im Hofladen verkauft oder geht an lokale Abnehmer. Die Kirschen werden grösstenteils an die Landi (Frunoba) nach Gelterkinden geliefert. Zudem werden auf dem Hof Grünspargel, Heidelbeeren und etwas Gemüse produziert. Die 40 Hühner liefern täglich frische Eier.

Im eigenen Hofladen werden herrliche Köstlichkeiten angeboten. Jeannette ist gelernte Köchin und hat den hohen Qualitätsanspruch aus der Sterneküche beibehalten. So werden Besucher täglich mit frischen, regionalen und selbstgemachten Hof Spezialitäten verwöhnt. Auf ihre Konfis, Suppen und Gutzis ist sie besonders stolz.

Während der Lehrzeit als Köchin im Hotel Bad Maisprach, den folgenden Wanderjahren und diversen Aushilfsstellen, hat sie ihre Kochkünste stetig verbessert und das Feingefühl für die Wünsche der Kunden entwickelt. So wurden beispielsweise das Kernotto, verfeinert mit Niklaus’schem Dörrgemüse, ihre Salatsaucen oder die beliebte Linzertorte zum Verkaufsschlager.

Es ist wohl die Mischung aus Qualität, Lokalität und innovativen Ideen, welche den Hofladen so erfolgreich machen. Er ist von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang geöffnet – bezahlen kann man bar oder mit TWINT.

Seid gewarnt, es ist wie bei IKEA, eigentlich braucht man nichts und trotzdem kommt man mit prallgefüllten Taschen nach Hause. Wer sich also selbst nicht traut, kann auch per Telefon (079 395 27 13) bestellen. Übrigens, wer Schnaps kaufen möchte, ruft bitte vorher an, der ist – aus Jungendschutzgründen – weggesperrt.

Wäre Jeannette ihre eigene Kundin, würde sie gerne ihre Gutzis oder die «Hagebutte-Konfi mit Vanille» kaufen. Als Kaffeeliebhaberin gesellt sie sich auch mal zu den Wandern, welche die verdiente Pause bei der Hofladen-Kaffeemaschine verbringen.

Natürlich würde ein solch aktiver Betrieb nicht ohne Angestellte und andere liebe Menschen funktionieren. In Spitzenzeiten – zum Beispiel während der Chriesi-Ernte – helfen Verwandte und Freunde mit. So auch die 86-jährige Schwiegermutter, welche auch auf dem Hof wohnt. Für sie fühle sich diese Zeit jedoch mehr wie Ferien an.

In den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien sind Schüler*innen im Rahmen des Landdiensts der FMS Basel unterwegs. Verteilt in der ganzen Schweiz machen die Schülerinnen und Schüler hautnah Erfahrungen im Umgang mit Menschen, Tieren, Haushalt, Kirschen, Kindern und Gärten. Zudem kommen in der Regel während zwei mal zwei Wochen Jugendliche in den von Agriviva vermittelten Landdienst. Die interessierten Jugendlichen helfen in den Chriesis, bei den Heidelbeeren oder erledigen andere Arbeiten.

Seit mittlerweile drei Jahren dürfen sie während den Sommermonaten auf die Hilfe von Magda aus Polen zählen und alle zwei Wochen kommt zudem eine Reinigungsfee, welche Jeannette Putzarbeiten im Haus und im Hofladen abnimmt.

Ausser von den obenerwähnten Menschen, erhält sie – je nach beruflicher Auslastung – auch von ihren Kindern Unterstützung.

Um dieses wertvolle Konstrukt zusammenzuhalten, erfolgreich zu arbeiten und füreinander da zu sein, dafür setzt sich Jeannette tagtäglich ein. Umso mehr, da sie seit einigen Jahren aufgrund ihrer Rückenprobleme nicht mehr alle Tätigkeiten selbst erledigen kann. Wer nicht mehr als 10 Kilo heben darf, muss sich organisieren (besonders schwierig für eine Powerfrau wie Jeannette). Doch ihr Mann Daniel übernimmt daher die «gimer-, längmer-, holmer- Arbeiten» für den Hofladen. Nicht nur da sind die beiden ein eingespieltes Team.

Eine sehr wichtige Unterstützung hat sie auch seitens der Landfrauenhilfe erlebt. Jeweils nach den Knie- und Rücken-Operationen konnte Jeannette zeitnah und unkompliziert auf Unterstützung des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel zählen. Ein wertvolles Angebot, für welches Jeannette sehr dankbar war.

Als Vertretung des Bäuerinnen- und Landfrauenvereins beider Basel ist Jeannette seit sieben Jahren Teil vom Vorstand des Vereins frauenplus Baselland. Wie der Name schon sagt, setzt sich der Verein für Frauen und deren Familien ein. Budget-, Rechtsberatung und Familienhilfe sind die drei übergeordneten Themen. Doch dahinter steht viel mehr. Unter anderem Menschlichkeit, Sicherheit und Verbindlichkeit. Frauen helfen Frauen, wo immer möglich, schnell und unkompliziert.

Bei der Organisation des Maiverkaufs ist Jeannette für die ganzen Bestellungen und die Koordination mit den Frauenvereinen aus der Region zuständig. Einen kulinarischen oder organisatorischen Beitrag leistet sie auch bei den verschiedenen Anlässen welche der Verein organisiert.

Für Jeannette ist dieses Engagement bedeutend. Durch ihre Arbeit beim Verein hilft sie indirekt jenen Menschen, denen es weniger gut geht. Sie erhalten Trost, Unterstützung, Freundlichkeit, einen Lichtblick, Schutz oder auch ganz pragmatisch die nötige Entlastung durch finanzielle Hilfe. www.frauenplus.ch

Eine Aufgabe, die Jeannette auch weiterhin verantwortungsvoll ausüben will, um so der Gesellschaft etwas zurückgeben zu können.

Wer jetzt denkt, Jeannettes Tag habe sicher mehr wie 24 Stunden, liegt wohl nicht so falsch. Für ihre Hobbies, die Kalligraphie, das Reisen & Lesen und die Arbeit im Garten habe sie schon auch noch Zeit, beteuert sie mir im Interview.

Jeannette Niklaus | www.niklaushofladen.ch | daniel.niklaus@yetnet.ch | 079 395 27 13

Text: D. Steiner www.oxygono.ch

20.02.2022